Von links nach rechts: Christiane Siemensmeyer, Adrianus Ooms, Rüdiger Kühl, Kirsten Knaup, Melanie Kanschik, Regula Kinzler-Nickel, Thomas Ihmenkamp
Anfang der 1820er-Jahre entwickelte der blinde Franzose Louis Braille in Paris die Blinden-Punktschrift, die sogenannte Brailleschrift. Die sehenden Blindenschullehrer in Frankreich wollten zuerst eine Reliefschrift durchsetzen, die sich an die Buchstaben der Sehenden anlehnte, nach dem Grundsatz: Die Minderheiten müssen sich der Mehrheit anpassen. Letztendlich konnte sich aber die Brailleschrift weltweit behaupten und ermöglichte den Blinden gezielte Bildung, zudem war sie eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Organisation der Blindenselbsthilfe. So bildeten sich Ende des 19. Jahrhunderts immer häufiger Selbsthilfeorganisationen, die sich innerhalb ihrer Gemeinschaft um die Anliegen der Blinden kümmerten. Der erste bekannte Blindenverein wurde 1874 in Berlin gegründet.
In den Nachfolgejahren bildeten sich nach und nach Interessensgemeinschaften, und 1912 wurde der Reichsdeutsche Blindenverband (RBV) gegründet. Die katholische Ordensfrau Pauline von Mallinckrodt gründete 1847 in Paderborn die “Provinzial-Blindenanstalt”, die einen schulischen, einen Ausbildungs- und einen Werkstattbereich umfasste. Dadurch wurde das Interesse der Heimbewohner für einen eigenen, unabhängigen Blindenverein geweckt...
...so wurde am 1. Mai 1913 der Paderborner Blindenverein unter dem Namen ‚Eintracht‘ ins Leben gerufen. Von den acht Gründungsmitgliedern lebten sechs im Wohnheim der von Pauline Malinckrodt gegründeten Blindenanstalt. Waren es zur Zeit der Gründung nur acht Mitglieder, allesamt Männer, trat mit Anna Wiesing 1921 die erste Frau dem Verein bei. Ebenfalls im Jahr 1921 wurde in Soest ein überregionaler Blindenverein gegründet, dem sich ‚Eintracht‘ als untergeordnete Bezirksgruppe anschloss. Durch den Zusammenschluss war eine bessere organisatorische Arbeit und dadurch auch ein besseres Betreuungsangebot möglich.
Während der Machtausübung der Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 ging die Vereinsarbeit spürbar zurück. Nachdem die Vereinsarbeit mit Ende des Krieges unter neuen Gesichtspunkten wieder aufgenommen wurde, war die Anzahl der Frauen deutlich höher als die der Männer. 1981 übernahm mit Anneliese Palmer die erste Frau den Vereinsvorsitz. Ihr lagen die Beratung und Betreuung von späterblindeten Menschen besonders am Herzen. 1991 wurde Konrad Schulte ihr Nachfolger, der bis zum Frühjahr 2018 mit seiner Frau Christa den Verein leitete. Viele heute noch bestehende regelmäßige Programmpunkte im Jahresverlauf wurden während seiner Amtszeit eingeführt. Hierzu gehören das auch heute noch monatlich stattfindende Kaffeetrinken mit abwechslungsreichem Programm, der monatliche Stammtisch sowie eine wöchentliche Sportstunde für Blinde und Sehbehinderte.
Im Laufe der Zeit bildeten die Sehbehinderten eine weitere Zielgruppe unseres Vereins und sie sind ein mindestens so großer Personenkreis wie die blinden Menschen. Daher hat der Verein im Jahr 1997 seinen Namen geändert und die Sehbehinderten mit in den Vereinsnamen aufgenommen. 2018 übernahm Rüdiger Kühl den Vorsitz des Vereins. Eines seiner Hauptanliegen ist, den Verein in der Gesellschaft präsent zu machen und sich der Zeit anzupassen. So hoffen wir, dass auch in Zukunft blinde und sehbehinderte Menschen sich in unserem Verein gleichermaßen wohlfühlen, sich gegenseitig Perspektiven aufzeigen, einander ermutigen und Tipps und Anregungen austauschen können.